Was getan werden muss

Neue Möglichkeiten der Mobilität prüfen

Ob Schnellbusse, die häufiger fahren und weniger halten, das Problem angesichts des Marburger Verkehrs ausreichend lösen können, bezweifeln wir. Deshalb wollen wir neue Möglichkeiten der Mobilität in den Blick nehmen wie eine Seilbahn, die die Innenstadt direkt mit dem Klinikum verbindet. Eine solche Lösung muss solide untersucht werden. Seilbahnsysteme als Lösung dringender Verkehrsprobleme sind in anderen Ländern wie Italien oder Honkong bereits realisiert und auch in einigen deutschen Städten untersucht und diskutiert worden. Es geht nicht um eine Touristenattraktion, sondern um die Frage, wie der öffentliche Nahverkehr in Marburg zukünftig aussehen muss, um der Entwicklung der Universitätsstadt und dem Wirtschaftsstandort Marburg gerecht zu werden. Die Idee einer Seilbahn zu verwerfen, bevor sie überhaupt geprüft wurde, ist nicht nur leichtfertig, sondern, bezogen auf die Zukunft Marburgs, fahrlässig.

Die Machbarkeit klären

Große Seilbahnen werden derzeit weltweit nur von zwei Firmen gebaut:

Weltmarktführer ist die Firma Doppelmayr/Garaventa aus Österreich; der andere große Hersteller ist die Firma Leitner AG aus Italien.

Beide Firmen waren in Marburg und beide Firmen haben eine Kurzanalyse vorgelegt. Beide Firmen kamen zu dem Ergebnis: Eine Seilbahn macht für Marburg Sinn und ist technisch möglich. Allerdings sagen auch beide Firmen: Nach dieser groben Einschätzung muss die Stadt nun ein unabhängiges Gutachten in Auftrag geben, um die Machbarkeit im Detail zu prüfen. Dazu gehört z.B. auch die Frage der Streckenführung und der Haltepunkte.

Fragen, die beantwortet werden müssen

Eines ist klar: Eine Seilbahn macht nur dann Sinn, wenn es gelingt, sie in den öffentlichen Personenverkehr einzubinden. Für Jobtickets und Studierendentickets muss eine solche Verbindung ebenso gelten wie für Wochen- und Monatskarten. Eine Prüfung muss Antworten auf folgende Fragen finden:

– Kann eine Seilbahn helfen den steigenden Transportbedarf als ergänzendes öffentliches Verkehrsmittel zu bewältigen?

– Wie kann sie in das Stadtbild eingepasst werden?

– Ist sie finanzierbar?

– Wie soll sie geführt werden und wo sollen Anfangs- und Endpunkt sein?

– Wie kann sie in das Netz und die Preisgestaltung des ÖPNV eingepasst werden?

Vorteile einer Seilbahn:

Bereits jetzt kann davon ausgegangen werden,

• dass die Fahrzeitdauer zwischen Innenstadt und Klinikum nur circa 8 Minuten beträgt,

• dass es keine langen Wartezeiten gibt, weil die Kabinen im Abstand von nur wenigen Sekunden fahren können,

• dass flexibel auf wechselndes Fahrgastaufkommen durch den Einsatz zusätzlicher Kabinen reagiert werden kann,

• dass bequem und unbegrenzt Fahrräder auf die Lahnberge und zurück mitgenommen werden können, auch Kinderwagen,

• dass Menschen mit Rollstühlen und Rollatoren bequemer und sicherer die Lahnberge erreichen können,

• dass die Betriebskosten geringer sind als bei Bussen,

• dass es deutlich geringere Emissionen als bei Autos und Bussen gibt,

• dass die Innenstadt als Einkaufsort davon profitiert und gestärkt wird, weil sie schnell von den Lahnbergen aus zu erreichen ist,

• dass damit eine Ansiedlung von Gewerbe auf den Lahnbergen verhindert wird.

Gute Gründe für eine Prüfung

Dies alles sind gute Gründe dafür, die Idee der Seilbahn weiter zu verfolgen. Die Machbarkeit muss geprüft werden. Viele der gegen die Prüfung einer Seilbahn ins Feld geführten Argumente greifen zu kurz: Wer sich ein klein wenig mit modernen Seilbahnen befasst hat weiß, dass keine großen Schneisen in den Wald zum Kaiser-Wilhelm-Turm geschlagen werden müssen und nur sehr wenige Trägerstützen erforderlich sind. Wer sich mit dem Problem der Anbindung der Lahnberge ernsthaft befasst, dem wird klar sein, dass die Prüfung des Projekts auch eine Linienführung finden muss, die private EigentümerInnen möglichst wenig stört. Wer wirklich eine Lösung sucht, der wird geeignete Einstiegs- und Ausstiegsorte benennen, die gut an den innerstädtischen Verkehr angebunden sind.

Wir fordern deshalb: Die Seilbahn muss als Lösung für eine bessere Verbindung zu den Lahnbergen umgehend gründlich geprüft werden. Jetzt muss für Morgen gedacht werden mit Ideen für Marburgs Zukunft.

9 Antworten auf Was getan werden muss

  1. Ich habe in Marburg studiert und lebe nun in Berlin. Ich kann mir eine Seilbahn gut vorstellen. Damals hätte ich sie gut brauchen können. In zürich ist sie ja auch normal…
    … macht es!
    Gruß Tobias

  2. Hans Melin sagt:

    Der Aufbau scheint ja nicht sonderlich aufwendig zu sein, wenn die Seilbahn in Koblenz (die leistungsstärkste der Welt!) nur vorübergehend für die Bundesgartenschau 2011 errichtet wurde.

  3. Peter Trier sagt:

    Steckt das Geld lieber in die Straßen von Marburg und Umgebung
    als in eine Seilbahn, unsere Straßen sind echt müll.

    • Vinzent Levermann sagt:

      Lieber Herr Trier zunächst einmal würden 90% der Kosten vom Bund übernommen werden, damit wäre also kein Geld für Straßen verloren.
      Zweitens, führt eine Seilbahn zu einer enormen Verkehrsentlastung auf den Straßen der Innenstadt bis hin zu den Lahnbergen und damit wären zukünftige Straßenschäden minimiert.

      Es kann somit nur in ihrem Willen sein ;-)

  4. Matthias K. sagt:

    Gute Idee mit der Seilbahn! … aber warum erst jetzt? Die Politik hätte dieses Projekt bereits mit der Verlegung der UNI auf die Lahnberge anpacken müssen. Jetzt steht in der Nordstadt alles still und wartet auf Besserung. Eine Seilbahn wäre ein Anfang …

  5. Axel Weber sagt:

    Seilbahn
    Eine Selbahn für Marburg ist wieder eine kostspielige Utopie ähnlich der beabsichtigten “Bundesgartenschaubewerburg”. Warten wir erst einmal die zu erwartenden Mehrkosten der “Stadthallensarnierung” ab. Es ist zu erwarten, daß die Kosten für eine Seilbahn einmal wieder kleingerechnet werden.
    Denk ich an Grüne Politik in der Nacht bin ich um den Schlaf gebracht !

    • Franz Kahle sagt:

      Sehr geehrter Herr Weber,
      die Kosten einer Seilbahn wären – wenn sie gebaut würde – förderfähig wie andere Verkehrsprojekte. Auch der erhebliche Verkehr mit Bussen auf die Lahnberge, der in Zukunft noch stark ausgebaut werden muss, erfordert große Investitionen. Aber vor einer Investitionsentscheidung muss zunächst eine genauere Planung und Abwägung stehen. Die von der Stadt beauftragten Gutachter haben sich dafür ausgesprochen, dass die Stadt die Planungen fortführt, weil die Seilbahn verkehrlich und energetisch große Vorteile biete.
      Mit freundlichen Grüßen, Franz Kahle

      • Vinzent Levermann sagt:

        Der Plan ist eigentlich genial, wenn man sich mal die Emotionen raus lässt, bringt es nur Vorteile für Marburg.

        Die schnelle Anbindung des Campus Lahnberge hat für alle Patienten und deren Besucher, Angestelle des Klinkums und der verschiedenen Fachrichtungen, sowie den tausenden Studenten eine große Bedeutung. Letztere prägen das Stadtbild und sind (auch wenn sie keine Dauerhaften Bürger sind) ein ständiger Teil Marburgs
        Die Entlastung der Busse (die je 500.000€ kosten) führt zu enormen Einsparungen der Stadtwerke, da Bergfahrten Fahrtkosten und Materialverschleiß stark erhöhen.

        Wichtig ist nur und darum möchte ich sie dringend bitten, dass die Seilbahn optimal eingebunden wird.
        Sie sollte verkehrstechnisch für Touristen als auch den Pendlern von außerhalb sowie den verschiedenen Stadtteilen leicht und ohne den Bus öfters wechseln zu müßen, erreichbar sein. Denn nur so wird die Seilbahn zu einer Alternative.
        Bedenken sie hierbei auch Passagiere die aus Caldern, Cölbe, Cappel, Wehrda, Trysa, oder Gießen kommen. Die Attraktiviät erhöht auch die Möglichkeit der Fahrradmitnahme!

        Der Erfolg des Projektes lässt sich nur an seinem Nutzen messen.

        Zerstörung des Stadtbildes und ähnliche Argumente empfinde ich als nur bedingt nachvollziehbar, da die Seibahn nicht über die Stadt sondern von der Peripherie weg verläuft. Marburg kann hier eine Vorreiterrolle übernehmen.

        Viele denken immer nur an die undurchdachten Negativbeispiele wenn’s um Seilbahnen geht, oder an die kleinen Gondeln in Köln (wie so oft für Visualisierungen verwendet), dass die Seilbahn aber quasi mit Bus ähnlichen Gondeln bestückt wird und verbersserung des ÖPVN ist (Verkehrslast teils über 10-15.000 täglich) wissen viele nicht. Wichtig ist daher eigentlich nur die Kommunikation der Vor und Nachteile mit allen Bürgern der Stadt und ein bisschen Mut zur Zukunft.

        Ihr Vinzent Levermann

      • Maria sagt:

        Was vor allem getan werden muss, ist die Verbindung Brüder-Grimm-Straße / Kantstraße in die Innenstadt wieder zu verbessern. Wenn man dort wohnt, hat man quasi nur noch zwei Busse die Stunde. Die dazwischen sind Attrappen, da es nur 2 Minuten Zeit zum Umsteigen am Wilhelmsplatz gibt bzw. 1 Minute am Südbahnhof. Da aber die 7 meist Verspätung hat, muss man dort ewig warten. Dadurch hat sich die Fahrtzeit verlängert. Früher kam man in wenigen Minuten zum Erlenring; heute nicht mehr. In dem Viertel hat es über die Jahre kontinuierliche Verschlechterungen gegeben, aber das scheint egal. Bei einer Seilbahn ist zu erwarten, dass sich die Situation weiter verschlechtert.

        Das ganze Projekt halte ich für eine Schnapsidee und – auch wenn nicht repräsentativ – in meinem relativ großen Bekanntenkreis will niemand diese Seilbahn.

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